29.01.2018

Masterplan vorgestellt: Der Hunsrück soll zur Wohlfühlregion werden

Vorstellung des Masterplans und anschließende Diskussionsrunde
(Foto: Stefan Conradt)

Vorstellung des Masterplans und anschließende Diskussionsrunde

Vorstellung des Masterplans und anschließende Diskussionsrunde
(Foto: Stefan Conradt)

(Foto: Stefan Conradt)

Die Nationalparkregion wächst immer weiter zusammen – das lässt sich auch am Leitspruch für den Masterplan ablesen, der am Freitag im Kommunikationszentrum am Umwelt-Campus Birkenfeld vorgestellt wurde: „Die Nationalparkregion wird E1NS: Zukunftsfähig, lebenswert, modern: Heimat“. Die Ziffer in der „Eins“ steht dabei für das Ziel, in absehbarer Zeit Premiumregion zu werden – nicht nur beim Wandern, sondern auch beim Thema Wohnen oder beim Radfahren.

Rund 100 Interessierte wohnten der lang erwarteten Vorstellung der Regionalentwicklungsziele bei, die Landrat Matthias Schneider als „Leitplanken“ für die weitere Arbeit bezeichnete und die Masterplanmanagerin Mara Koster in einer Powerpoint-Präsentation vorstellte. Die gebundene Form gibt es in drei Versionen: in einer gebundenen Langfassung, in einer von Fotos geprägten Kurzform und als 28-seitige Hochglanzbroschüre.

Nationalpark ist die Klammer

„Wann haben Sie das letzte Mal im Stau gestanden? Bestimmt nicht hier“, hob Mara Koster gleich zu Beginn einen von vielen Standortvorteile hervor, die von Einheimischen leicht übersehen werden. Das gelte auch für die attraktive Natur, die frische Luft und die niedrigen Immobilienpreise – alles Faktoren, mit denen es in naher Zukunft verstärkt zu wuchern gelte.
Dieses Gebäude ist in den vergangenen Monaten zu einem der wichtigsten Orte bei der Zukunftsdiskussion in Rheinland-Pfalz geworden. Auch darauf kann die Region stolz sein.
Joe Weingarten vom Wirtschaftsministerium empfiehlt der Nationalpark-Region, selbstbewusster zu werden.
Koster skizzierte die Entwicklungsgeschichte des Masterplans und des Regionalentwicklungsvereins und erinnerte, dass an diese intensive Form der Zusammenarbeit über Landes- und Kommunalgrenzen hinweg vor zehn Jahren niemand zu denken gewagt habe. Eng verknüpft sei diese Entwicklung natürlich mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald: „Ohne die Gründung des Premiumschutzgebiets hätte es diese Entwicklung nicht gegeben“, sagte Mara Koster. Dabei habe man auf zahlreiche Basisdaten und Untersuchungen aus der Gründungsphase des Parks zurückgreifen können, auf die man aufbauen konnte. Im Laufe der Zeit kamen bei zahlreichen Workshops so insgesamt 108 Projektideen zusammen, die nun abgearbeitet werden. Im Masterplan enthalten ist ein Zeitplan mit den Zielen, den Zuständigkeiten und dem erhofften Umsetzungszeitplan, unterteilt in kurz-, mittel- und langfristige Projekte. Einige Beispiele: das in Kürze startende Bildungsnetzwerk, ein Regionalblog (neben dem bestehenden Nationalpark-Radio), ein mobiles Kino, die Verbesserung des ÖPNV, eine Mediathek Hunsrück-Hochwald, ein Pool „Regionale Küche“, ein Wanderhüttennetzwerk, ein Wanderbus sowie eine Energiedatenbank. Ziel ist es, die Identifikation der Menschen in der Nationalparkregion zu stärken, die Lebensqualität wie die touristische Attraktivität zu verbessern und die Marke „Nationalpark-Region“ zu etablieren.

Landrat sieht riesige Chancen

Landrat Matthias Schneider ist überzeugt, dass sich die Region angesichts der Klimaerwärmung und der zunehmenden Umweltbelastungen in den Ballungsgebieten künftig verstärkt als „Wohlfühlregion“ präsentieren muss – nicht nur beim Wandern, Radfahren und Golfspielen, sondern auch bei den Feldern Wohnen und Arbeiten. Neben dem Ausbau der Breitbandversorgung verfolgt Schneider dabei auch die Vision eines eigenständigen Baustils für die Nationalparkregion: Smarthome-Wohngebäude aus natürlichen Baustoffen wie Lärche, Douglasie, Schiefer und Quarzit: „Das wäre eine Identifizierung und ein Lockstoff für unsere Heimat“, ist er überzeugt.
Der Landrat wiederholte seine Prophezeiung, der Hunsrück werde nach Fertigstellung des Hochmoselübergang zu einem „starken, eigenständigen Wirtschaftsraum, alleine schon wegen der niedrigen Grundstückspreise: Das wird den Menschen in der Region viel abverlangen. Auch deshalb brauchen wir die Wohlfühlregion als Ausgleich.“
Die Wichtigkeit des Vorhabens unterstrich die Anwesenheit von gleich drei Vertretern der Landesregierung: Angereist waren Joe Weingarten, Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium, Ingo Steinhauer (Umweltministerium) und Werner Theis, der das Ministerium auch nach seiner Pensionierung weiter berät und maßgeblich an der Entwicklung des Nationalparks beteiligt war. Ministerin Ulrike Höfken ließ sich entschuldigen – sie war wegen des Bundesparteitags der Grünen unabkömmlich.

Vieles ist bereits in Arbeit

Moderiert wurde die Präsentation von RPR-1-Redakteur Jens Baumgart, der aus eigener Erfahrung etwas zu den lebensqualitätsmindernden Faktoren „Stau“ und „Luftverschmutzung“ beisteuern konnte: Er arbeitet in Ludwigshafen und lebt mittlerweile wieder in Idar-Oberstein. Baumgart holte zum Abschluss der Veranstaltung drei Akteure auf die Bühne, die maßgeblich an der Umsetzung der Masterplan-Ziele mitarbeiten werden: Hugo Kern, der mit seinem Büro Kern-Plan (Illingen) die Bikeregion Hunsrück-Hochwald voranbringt, Marc Wartenphul vom am Umwelt-Campus ansässigen Regionalbüro der Energieagentur Rheinland-Pfalz, das mit allerlei Förderprogrammen die Klimaschutzziele und die Energiewende in der Region umsetzen helfen soll, und Kathrin Schmitt, Projektmanagerin für Haltestrategien bei der Kreisverwaltung. Ihr Anliegen: Das bereits bestehende umfangreiche Ausbildungsangebot der Region bekannter und noch besser zu machen sowie das Freizeitangebot und damit die Lebensqualität der jüngeren Generation zu steigern. Dabei wurde deutlich, dass viele Projekte bereits in Arbeit sind.

 

Link zum Original-artikel: www.rhein-zeitung.de