Top News
01.02.2018

Bildungsnetzwerk Nationalparkregion: Kinder sollen wieder Bezug zu ihrer Heimat bekommen

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald
Foto: picture alliance-dpaThomas Frey

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Bildungseinrichtungen – vor allem Kindergärten, Grundschulen, aber auch weiterführende Schulen – mit außerschulischen Lernorten in der Region zu vernetzen und so den Kindern ihre Heimat wieder näherzubringen, ist das Ziel des „Bildungsnetzwerks Nationalparkregion“, dessen Umsetzung sich der Regionalentwicklungsverein Hunsrück-Hochwald auf die Fahnen geschrieben hat. Der Startschuss soll in diesem Frühjahr fallen. Das Projekt, für das es eine auf fünf Jahre angesetzte EU-Förderung in Höhe von gut 320.000 Euro gibt, ist wichtiger Bestandteil des Masterplans für die Nationalparkregion, der gerade vorgestellt wurde (die NZ berichtete). Die Stelle des Koordinators ist bereits ausgeschrieben.

Das Bildungsnetzwerk, das sich am bereits sehr erfolgreichen gleichartigen Projekt „Kulani“ im Kreis St. Wendel orientiert, soll der Region eine nachhaltige Identitäts-entwicklung garantieren, hofft Masterplanmanagerin Mara Koster: „Bildungseinrich-tungen wie Kindergärten und Schulen werden mit außerschulischen Lernorten wie Bauernhöfen, Imkern, Käsereien, Bibliotheken und Museen vernetzt, um so ein Be-wusstsein für die Natur und für die Heimat mit ihren vielfältigen kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Ressourcen zu schaffen.“ Landrat Matthias Schneider nennt konkrete Beispiele: „Es wäre schön, wenn die Kinder wieder in der Schule lernen würden, wie hoch der Erbeskopf ist und was bei Fissler alles hergestellt wird. Nur wer seine Heimat kennt, kann sie auch zukünftig wertschätzen“, ist der Landrat überzeugt
Die Schüler sollen dabei auch die Möglichkeit erhalten, ihr theoretisch erlangtes Wissen in der Praxis zu vertiefen. „Die Schaffung einer kommunalen Bildungslandschaft durch Vernetzung, Qualifizierung und Unterstützung lokaler Akteure und Bildungseinrichtungen fördert die Eigenkräfte der Region und unterstützt die Bildung einer regionalen Identität“, erläutert Mara Koster im Masterplan.

Grenzen sollen verschwinden

Auch die derzeitigen – vor allem noch in den Köpfen verankerten – Verwaltungs-grenzen sollen so mittel- und langfristig verdrängt werden, die Region in den kom-menden Generationen noch enger zusammenwachsen. Zudem geht es darum – das passt prima zum Nationalpark – , den Kindern eine größere Wertschätzung etwa für Lebensmittel, Tiere und Umwelt nahezubringen und für eine höhere Wertschätzung auch des Berufsbilds Landwirt zu sorgen.
Auch Wissen über und Verständnis für das kulturelle und geschichtliche Erbe der Region sollen mit dem Projekt vermittelt werden. „Langfristig kann das Netzwerk um die Aspekte Ausbildung und berufliche Bildung im Sinne einer frühzeitigen Berufsorientierung erweitert werden“, erläutert Mara Koster. So möchte man der Abwanderung junger Leute aus der Region und dem regionalen Fachkräftemangel entgegenwirken. Für die Arbeit in Kindergärten und Schulen sollen konkrete Unterrichtsmaterialien in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren wie dem Nationalparkamt, dem Naturpark Saar-Hunsrück oder auch dem Umwelt-Campus erarbeitet werden, die den Pädagogen zur Hand gegeben werden. Nebenprodukt wäre eine noch stärkere Zusammenarbeit in der Nationalparkregion, glaubt die Masterplanmanagerin.

Bildung als Grundlage für alles

Die Erfahrungen im Saarland mit diesem Konzept seien überaus vielversprechend, sagt Landrat Schneider. „Bildung ist in meinen Augen die Grundlage für das ganze gesellschaftliche Konstrukt. Je mehr Kinder und Jugendliche über ihre Heimat lernen, umso größer ist ihre Bindung zur Region, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre berufliche und familiäre Planung nicht schon von vornherein mit einem Wegzug verbinden“, erläutert Schneider den Gedankengang, der hinter dem Bildungsnetzwerk steht.
Für die Koordination des Bildungsnetzwerks wird eine Person gesucht, die den Auf-bau betreut und das Projekt später vorantreibt.

Die Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land

Die Initiative „Kulani“ (Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land) wurde 1994 als informeller Zusammenschluss mehrerer Institutionen und Vereine mit dem Ziel der Unterstützung einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung im St. Wendeler Land gegründet. Im Mittelpunkt steht die Nutzung der Eigenpotenziale „Natürliche Ressourcen“, „Kulturelles Erbe“ und „Örtliche Bevölkerung“. Die Arbeit ist von einem starken ehrenamtlichen Engagement geprägt – „ohne diese unentgeltlichen Leistungen wären die Umsetzungserfolge der vergangenen Jahre nicht erreichbar gewesen“, sagt der Vorsitzende Werner Feldkamp. „Kulani“ versteht sich als Regionalentwicklungsorganisation und will einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des ländlichen Kulturraumes leisten. Dabei wird das Ziel verfolgt, über eine konsequente Nutzung der natürlichen Ressourcen und die Inwertsetzung des kulturellen Erbes durch die örtliche Bevölkerung
•    die regionale Wertschöpfung zu fördern (Ökonomie),
•    die ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern (Ökologie) und
•    die kulturelle Identität zu sichern.
Seit 2003 ist die Kulturlandschaftsinitiative als Lokale Aktionsgruppe St. Wendeler Land (LAG) anerkannt und kann mit Fördermitteln aus dem EU- Leader-Programm die Arbeit der lokalen Akteure unterstützen. Konkret werden derzeit die Themenfelder Regionalvermarktung, Energie(sparen), Bildung und Kultur beackert. Sogar eine eigene Zeitschrift gibt es, sie heißt „Kulani-aktuell“.
Mehr Infos im Internet: www.kulani.de

 

Link zum Original-Artikel: www.rhein-zeitung.de